Der Kiwi Vogel

Verbreitung und Lebensraum

Der Kiwi ist das National- und Wappentier Neuseelands und abgeleitet die Eigenbezeichnung der Bewohner Neuseelands.

Kiwis leben auf den drei großen Inseln Neuseelands: Nordinsel, Südinsel und Stewart Island. Es gibt sie außerdem auf zahlreichen kleinen Inseln vor den Küsten Neuseelands; auf den meisten von diesen sind sie aber mit Sicherheit, auf den übrigen mit hoher Wahrscheinlichkeit durch den Menschen eingeführt worden.

Das ursprüngliche Habitat der Kiwis waren die Wälder, die mit Ausnahme der Hochgebirge Neuseeland vor der Ankunft polynesischer Siedler nahezu lückenlos bedeckten. Heute sind sie auch in den künstlich entstandenen, strauchbestandenen offenen Geländen heimisch. Sie gehören außerdem zu den äußerst wenigen einheimischen Tieren, die sich in den von den Europäern angepflanzten Nadelbaummonokulturen ansiedeln konnten. Allerdings sind Kiwis trotz ihrer Anpassungsfähigkeit durch den Jagddruck durch eingeschleppte Raubtiere aus zahlreichen Regionen verschwunden und nur noch lückenhaft über Neuseeland verbreitet.

Im Gebirge gibt es Kiwis bis in Höhen von 1200 Metern. Alle Kiwis brauchen Habitate mit hohem Grad an Feuchtigkeit und lockerem, humusreichem Boden.

Lebensweise

Kiwis sind ausschließlich nachtaktiv. Am Tag verbergen sie sich in ihren Höhlen und Unterschlupfen, die sie vor Sonnenuntergang nicht verlassen. Kommen sie dann hervor, bewegen sie sich bei völliger Dunkelheit im Schutz von Unterholz und Gesträuch. Dabei orientieren sie sich, für Vögel eher ungewöhnlich, mit ihrem guten Geruchssinn und ihrem Gehör.

Ernährung

Kiwis sind zwar Allesfresser, die sich von allen tierischen und pflanzlichen Materialien ernähren, hauptsächlich stochern sie aber im Erdreich nach wirbellosen Tieren, vor allem Regenwürmern, Tausendfüßern und Insektenlarven. Die Bewegungen der Tiere im Boden können von Kiwis wahrgenommen werden; sie versenken dann ihren Schnabel im Erdreich und ertasten die Beute. Hierdurch hinterlassen Kiwis in ihrem Revier charakteristische Schnabellöcher, die bis zu 15 cm tief sind und die Anwesenheit eines Kiwis sicher verraten.

Nebenbei werden auch Früchte und Insekten vom Boden aufgelesen.

Achtung: Kiwis!

Menschen und Kiwis

Seit die ersten Māori-Siedler Neuseeland erreichten, wurden Kiwis von diesen und auch zugleich eingeschleppten Säugetieren (v. a. Hunden) im großen Maßstab gejagt. Schon die Maori verdrängten Kiwis aus zahlreichen Regionen und schufen somit inselhaft zerrissene Verbreitungsgebiete der Kiwis. Das Aussterben des Zwergkiwis auf der Nordinsel wurde durch die Maori verursacht. Für die Kiwi-Jagd eigneten sich die Maori spezielle Taktiken an, die auch die Nachahmung der Rufe beinhalteten. Kiwis wurden vor allem wegen ihres Fleisches gejagt, aber auch wegen der Federn, die als Schmuck Bedeutung hatten.

Als die weißen Siedler Neuseeland erreichten, verschlimmerte sich die Situation für die Kiwis nochmals. Im 19. Jahrhundert wurden Kiwi-Federn sogar nach Europa exportiert, da man sie als Besatz von Kleidern verwendete. Zudem erfreuten sich ausgestopfte Kiwis einer wachsenden Beliebtheit bei Sammlern. Vor allem die von den Weißen mitgebrachten Hunde, Katzen, Füchse und Marder (Wiesel und Hermelin) sorgten für einen Jagddruck, dem die Vögel kaum gewachsen waren. So wurden Kiwis im Osten und Norden der Südinsel sowie in küstennahen Regionen der Nordinsel vollends ausgerottet. Rückzugsgebiete blieben unter anderem das Fjordland, die Tongariro-Region die North Auckland Peninsula und Stewart Island.

Die Jagd auf Kiwis wurde 1896 verboten. Seit 1921 stehen Kiwis unter Schutz. Von Menschen droht Kiwis heute keine direkte Gefahr mehr, wohl aber noch immer durch die Landschaftszerstörung und vor allem durch die eingeschleppten Tiere. In den 1990ern tötete ein einziger entlaufener Schäferhund im Wald von Waitangi innerhalb weniger Tage 500 Kiwis, was mehr als die Hälfte der dortigen Population war. Es wird geschätzt, dass auf dem Festland 94 Prozent der jungen Kiwis von Katzen oder Wieseln getötet werden, bevor sie 100 Tage alt werden.

Alle fünf Kiwi-Arten werden von der IUCN als gefährdet geführt. Da die Kiwis als Nationalvögel Neuseelands einen hohen Bekanntheitsgrad haben, gibt es in jüngerer Zeit verstärkte Bemühungen um ihren Schutz. Gefährdete Populationen werden auf Inseln gebracht, die vorher von Katzen, Ratten und anderen potenziellen Gefahren gesäubert werden. Vom Streifenkiwi (Apteryx mantelli), der auf der Nordinsel lebt, existieren nur noch rund 35.000 Tiere. Er wird daher als gefährdet eingestuft. Die Population des Okarito-Kiwis Apteryx rowi besteht sogar nur noch aus 250 Individuen und ist akut vom Aussterben bedroht.